CeltoiNet



Autor Thema: [de] Naturreligion  (Gelesen 81 mal)

Boduos

  • Ueni Boduos
  • Administrator
  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 100
  • Karma: +0/-0
    • CeltoiNet
[de] Naturreligion
« am: Mai 08, 2017, 09:36:32 Vormittag »
Author: Boduos
Date:    2017-05-08
Lang:   German

License


[de] Naturreligion


Naturreligion ist ein Schlagwort das immer wieder gerne fällt wenn es um polytheistischen Paganismus geht. Pagans sind naturreligiös, bewegen sich im Einklang mit den Rythmen der Natur, achten die Lebewesen und so weiter. Statt in Tempel und Kirchen gehen wir in die Natur um dort unsere Rituale abzuhalten und uns zu verbinden und was man da nicht alles hört.

Wenn man es sich recht besieht ist das Problem aber, das die wenigsten Pagans, ich schliesse mich damit durchaus auch ein, das immer im vollem Umfang berücksichtigen können oder wollen. Aber was bedeutet das alles?

Wir schwingen mit den Rythmen der Natur. Das bedingt nicht nur Mondphasen und Jahreszeiten sondern auch die Witterung. Ich gehe davon aus, das die meisten Menschen arbeitsbedingt nicht in der Lage sind einem natürlichen Rythmus zu folgen. Die moderne Arbeitswelt hat sich komplett von der der natürlichen Welt entkoppelt, was Rythmus, Anfordernisse und Lebensumfeld angeht. Moderne Arbeit und alle damit einhergehende Folgeerscheinungen wie zum Beispiel erhöhten Energieverbrauch, aufgezwungene Mobilitätskultur, Zeitmanagment, Tagesabläufe, Wohnsituationen, Ernährung und soziales Umfeld haben sich komplett von allem entkoppelt was in irgendeiner Form natürlich oder erstrebenswert wäre. Wir sind Affen die nicht artgerecht gehalten werden. Und das ist der Punkt an dem wir nur von Menschen reden. Die Situation der Tiere und Pflanzen und komplexer Ökosysteme ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Wir reden hier von einem massiven nicht naturgegebenen Impact auf Flora, Fauna, Klima und deren Zusammenspiel.

Tiere und Pflanzen sind in unserer Wahrnehmung so jenseitig von gleichwertig, ungeachtet wie hoch sie entwickelt sein mögen, das eine gesellschaftliche Achtung anderen als des menschlichen Lebens nicht vorstellbar ist. Und auch zwischen den Menschen reissen sich erdachte Gräben wie Hautfarbe, Kultur, Nation oder Religion auf, die dazu führen das der eine Affe den anderen erschlägt.

Wenn wir als Polytheisten eine Naturreligion angenommen haben sollten wir uns auch bewusst sein, was der Terminus Naturreligion impliziert. Und um wahrhaftig in unserem Glauben zu sein müssen wir auch dementsprechend handeln. Als Pagan kann man nicht einfach mit der Masse mitschwimmen und sich für exklusiv halten und der Meinung sein das man keinen Anteil am Leben seiner Mitmenschen hat man muss erfahren und handeln und verstehen wollen. Wir sind als Pagans nicht wie unsere Mitmenschen, aber wir sind auch nicht isoliert von ihnen. Was sie betrifft, betrifft auch uns.

Dementsprechend halte ich es für notwendig, das wir als Gemeinschaft wieder damit beginnen tiefgreifende philosophische Diskussionen zu führen, Konzepte und Ideen zu entwickeln, Worte in Taten umzusetzen und dort handeln, wo unsere Mitmenschen es sich nicht getrauen oder es aus ideologischen Gründen ablehnen. Unsere Rolle im Universum diskutieren, unsere Verantwortungen und Pflichten. Unsere Wege und Möglichkeiten. Ideen und Träume auszutauschen.

Ein ehemaliger Freund sagte vor Jahren zu mir, das man alleine nichts ändern könne, aber das an anderer Stelle rechtzeitig Lösungen entstehen würden um die Probleme die unsere Welt durch uns hat behoben werden können. Ungeachtet der Tatsache, das ich es nicht für wahrscheinlich halte, das das bestehende System aus sich herraus ausreichende Impulse entwickelt um Lösungen zu erdenken ist mir die Politik des Zurücklehnens und machen-lassens zu billig und zu verantwortungsabstreifend.
Oft bekomme nicht nur ich zu hören, das wir, eine imaginäre kleine Gruppe, die Problem nicht beheben könnten, weil die, eine imaginäre sehr mächtige Gruppe, uns das nie ermöglichen würden. Das persönlich halte ich für eine Mythe, eine Mythe der Alternativlosigkeit und Unabwendbarkeit die von Menschen in der oberen Hierarchie gerne verbreitet wird um die große Masse an Menschen ruhig zu halten. Und wir glauben das gerne, bedeutet doch Veränderung Unsicherheit, Instabilität, Erschwernis und Anstrengung. Das Phänomen ist allgemein bekannt. Die breite Masse wird sich nicht zu Aktionen hinreissen lassen die einen scheinbar sicheren Status Quo gefährden solange keine kritische Masse den Umkippunkt überschreitet.

Will ich Teil dieser trägen Masse sein? Ist das wirklich das, was es bedeutet naturreligiöser Polytheist zu sein? Oder bin ich ein Lebewesen das an seinen Erfahrungen und Erlebnissen beständig wächst und handelt und agiert und seine Umwelt mit Bedacht und nicht bedenkenlos formt und gestaltet?

Ich denke das die Zeit der Eroberungen und Eroberer auf den Müllhaufen der Geschhichte gehören sollte, wenn wir weiter überleben wollen und das wir uns der Entdeckung und Erforschung zuwenden sollten. Aber man kann nichts erforschen, das man gewaltsam zerbrochen hat. Das ist unser Wesen seit sehr langer Zeit. Meines Erachtens entspricht das aber nicht dem Wesen dessen, was eine moderne Naturreligion sein sollte.

Einige von uns werden jetzt im Geist schon auf die massiven Einwirkungen von Brandrodung und Kultivierung vorangegangener Kulturen verweisen. Dem halte ich entgegen. Das ist vorbei. Die Bronze und Eisenzeit ist vorbei. Und das Mittelalter auch. Diese Epochen können für uns allenfalls lehrreich sein, wir sollten aber nicht dazu verführt werden, sie zu wiederholen. Heute haben wir andere Aufgaben denen wir uns stellen müssen. Aufgaben von denen sich unsere Altvorderen nicht zu träumen gewagt haben, die undenkbar waren. Die Vergangenheit ist nicht wiederholbar, so sehr man sich auch zurück in die "gute alte Zeit" in der "alles besser" war zurückwünscht. Gelerntes kann man nicht ungelernt machen und Erdachtes nicht ungedacht.

Es wird Zeit, das wir, wenn wir für uns authentisch sein wollen und für andere ernstzunehmend das wir uns überlegen, wo unser Platz im Hier und Jetzt ist. An dieser Stelle sehe ich bis jetzt nur Anfänge, aber keine wirklichen Riesensprünge. Aber da sehe ich heute unsere Aufgabe.

Boduos
« Letzte Änderung: Mai 14, 2017, 08:44:13 Nachmittag von Boduos »

 

Copyright © - we would like you to respect other peoples stuff. thanks.