CeltoiNet



Autor Thema: #thoughts: [de] Tutelar  (Gelesen 14 mal)

Boduos

  • Ueni Boduos
  • Administrator
  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 119
  • Karma: +0/-0
    • CeltoiNet
#thoughts: [de] Tutelar
« am: Juni 04, 2017, 12:58:44 Vormittag »
Author: Boduos
Date:    2017-10-17
Lang:   German

License


[de] Tutelar


Unsere Götter erklären und gestalten unser Universum und jeder unserer Göttinnen und Götter repräsentieren eine Facette unseres Universums. Jeder Mensch denkt und handelt nach einem bestimmten Weg, seinem Weg. Sein Fokus liegt auf bestimmten Dingen und Aspekten des Universums. Jeder Mensch hat seinen eigenen Lebensweg. Allerdings ähneln sich die Wege der Menschen in ihrem Grundthema und ebenso ähneln sie den Wegen der Götter.

Im römisch/griechischem Raum ist das Konzept des Tutelar bekannt. Der Tutelar bzw. Patron/Matrona ist die Schutzgottheit einer Sache, eines Ortes, einer Angelegenheit und tief mit diesem verbunden. Palas Athene zum Beispiel war die Schutzgottheit Athens, es war ihre Stadt. Delphi war ursprünglich der Gaia geweiht, später allerdings dem Apollo. Die Schmiede und Metallhandwerker bekannten sich zu Hephaistos, die Heiler zu Asklepsios.

Dieses Phänomen ist wohl auch Kennzeichen generell polytheistischer Primärreligionen in der ein oder anderen Ausprägung. Es macht für einen Bauern weniger Sinn sein Leben dem Camulos zu weihen als der Rosmerta oder als Schiffer und Fischer dem Cernunnos anstatt der Nehellania. Es ist wohl so, das zu jeder Gottheit wohl auch ein Lebensweg und ein menschliches Schicksal zu gehören scheint und ein Zeichen und dementsprechend dazugehörige Gepflogenheiten, Riten, Sitten und Eigenheiten.

Ich finde das insofern interessant als das ich seit Jahren immer nur zu lesen glaube das jener oder jene sagt er oder sie sei von dieser oder jener Gottheit erwählt und wie man sich damit individuell fühlt. Es gibt aber keinen Zusammenhalt, keinen Bund zwischen denen die ihr Leben für Cathubodua geben und keine gemeinsame Riten bei denen die ihr Leben Sulis widmen. Weder bei den Celtoi, noch bei Asatruar finde ich solche Tendenzen, bis auf möglicherweise einige Oinistenbünde, von denen ich aber keine genauere Informationen habe. Ich denke, das das zu heidnischen Zeiten die Orakel des Apollon, die Heiler des Asklepsios oder der Sirona und die Krieger Odins zwar nicht organisiert waren aber durchaus ein verbindendes Element verspürt haben, ein Band was alle einte, die sich der selben Gottheit mit ihren Gepflogenheiten verband.

Es wäre interessant zu erkunden wieviele verschiedene grundlegende gesellschaftliche Archetypen existiert haben, wie man diese unterteilen kann und was das für das Leben des bzw der Einzelnen bedeutete. Welche Gruppe wird von welchem Gott vertreten und wie ändern sich dadurch die Riten, die Sitten und die Sprache? Fühlten sich zwei Handwerker im alten Gallien durch gemeinsame Sitten und Riten und durch gemeinsame Götter verbunden zum Beispiel durch das Band mit dem Esus diese verband? Gab es Zeichen und Gesten und geheime Riten?

Esus ist Händler. Esus ist Handwerker. Aber Esus kennt auch die Wege zwischen den Wegen, Magie und verbotenes Wissen. Esus ist nicht nur Handwerker sondern auch ein Sucher, ein Erkunder, ein Wissbegieriger und Lernender.
So wie das jetzt dort von meiner Hand steht fällt vielleicht einigen auf, das es Parallelen gibt zum Mittelalter und den Handwerkszünften, als Wanderhandwerker auf den Strassen von Ort zu Ort zogen, Arbeit suchten, Wissen aufnahmen und verbreiteten. Es gab zum Beispiel bei der Maurerzunft geheimes Wissen über die Baukunst, das sie mit niemanden teilten, eigene Rituale und Worte und Zeichen. Und wir reden von einer Zeit als alle Menschen gezwungen waren unter nur einem Gott zu leben.

Ich denke das durch den persönlichen Weg den man beschreitet sich einiges von anderen unterscheidet. Ein Krieger vertritt eine andere Ethik, hat andere Tugenden als ein Heiler oder Künstler. Um mal bei diesen drei Beispielen zu bleiben legen diese drei auch andere Bewertungen an ihre Umwelt an. Dem Krieger ist die Ehre und der Ruhm wichtig, dem Heiler das Wissen um sein Handwerk und das Leben seiner Schützlinge und dem Künstler die Metrik und die Dichtung, die Poesie und die Geschichten, der Ruhm und das Bad in der Menge.

Und was bedeutet das für unser Leben heute? Können wir daran anknüpfen? Als Celtoi? Als Asatru? Wie können wir diese alte Sitte beleben, in uns aufnehmen und weiterentwickeln, damit sie neu ist und alt und lebendig? Wie können wir mit unseren Göttern wachsen und größer werden und weiser?
« Letzte Änderung: Oktober 17, 2017, 12:53:30 Nachmittag von Boduos »

 

Copyright © - we would like you to respect other peoples stuff. thanks.