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Autor Thema: #thoughts #bildung [de] #becoming  (Gelesen 48 mal)

Boduos

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#thoughts #bildung [de] #becoming
« am: Februar 26, 2019, 06:37:54 Nachmittag »

#becoming



Es gibt da dieses Buch der ehemaligen First Lady Michelle Obama das derzeit hoch in den Ranglisten der Buchverkäufer steht. Der Titel ist "Becoming". Ich bin immer wieder über diesen Titel gestolpert, aber nichts hat klick gemacht, dann allerdings bin ich über den Hashtag #becoming bei Diaspora gestolpert. Vielleicht liegt es an meiner derzeitigen Lektüre oder dem Kontext in dem Posting, aber ich habe etwas gesehen.

Seit einiger Zeit setze ich mich mit dem Bildungsbegriff auseinander und bekomme ab und an Anfeindungen die in Richtung Zwangsoptimierung, gefährliche Manipulation oder allgemein Zwang gehen. Weder ich noch Denker wie Platon, Wilhelm von Humboldt oder Nietzsche sahen im Streben nach Bildung einen Zwang, eine schädliche Manipulation des Geistes oder ein Mittel zur Knechtschaft sondern eher ein Mittel zur Befreiung des Einzelnen. Es ist schon schade, das das Streben nach Bildung von vielen als negatives Ereignis aufgefasst wird.

Bildung ist ein Begriff der indigen deutsch ist. Das englische education erfasst nicht den selben Wortsinn. Im Prinzip ist der Begriff wie so oft lautmalerisch zu verstehen und bezeichnet das jemand aus dem Rohmaterial seines Selbst etwas formt, etwas erschafft. Wie in der Kunst ist das Schaffen, der Prozess das Gemeinsame. Die Ergebnisse sind unabhängig voneinander und vielfältig. Um es mit Nietzsches Begrifflichkeiten zu formulieren nehmen wir die Rohmasse des Tieres und versuchen daraus mit den Mitteln des Menschseins ein uns höheres Selbst zu formen. Es geht nicht darum zu gehorchen, sich zu unterwerfen oder zu deformieren. Es geht darum zu Wachsen, zu Werden. Damit sind wir bei #becoming

Der Begriff "Becoming" oder im deutschen "Werden" führt bei einem kleinem Exkurs auf Wikipedia zu Namen wie Heraklit, Hegel und Nietzsche. Es geht um das Konzept das "Pantha Rei", darum das alles im Fluss ist, nichts statisch. Weder die Dinge um uns herum, noch wir, noch unsere Werte und Institutionen. Alles fliesst und man kann jeden Fluss nur das eine Mal betreten, nur ein einziges Mal. Beim nächsten überqueren ist es ein anderer Fluss. Änlich an Gestalt, aber nicht der, den ich zuerst überquert habe. Existenz ist kein Zustand sondern ein Prozess der zwischen Entropie und Gentropie hin und her schwankt. Alles ist im Zerfall, jedes Ding muss sterben, aber jeden Moment kommen neue Dinge ins Sein und existieren für eine Zeit.
Dieses Werden, dieses Becoming ist nicht nur eine philosophische Betrachtungsweise sondern bildet am Besten den Zustand des Universums ab soweit wir diesen begriffen haben. Es ist weniger als Kopfspielerei, eine intellektuelle Trockenübung als der Zustand des Seins passend beschrieben. Insofern ist es relevant für uns alle.

Wenn wir das berücksichtigen und auf unseren Bildungsbegriff anwenden bedeutet das, das wir einen vorhandenen Prozess gestalten. Wir sind die Bildhauer, die Gestalter unseres Selbst und dieser Prozess ist permanent. Er beginnt nicht irgendwo, er endet nicht solange wir leben. Auch nicht an sich zu arbeiten formt einen Menschen. Wir werden jeden Tag von der Welt um uns herum geformt, ob wir wollen oder nicht, aber wenn wir ablehnen an uns tätig zu werden geben wir diesen Prozess an andere ab, verlieren die Kontrolle, bestenfalls. Schlimmstenfalls sind wir die Ebbe, wo wir die Flut sein könnten. Statt über uns hinauszuwachsen siechen wir und sind weniger als ein Tier, das wenigstens versucht nach seinen Bedürfnissen zu leben. Das wunderbare an Bildung ist, das sie uns zwingt uns damit auseinanderzusetzen wer wir wirklich sein wollen. Nicht wie die anderen uns sehen wollen, nicht wie wir benötigt werden, sondern wer wir wirklich sein möchten. Wenn wir das herausgefunden haben und an diesem Bild von uns arbeiten, uns dorthin bewegen haben wir die Möglichkeit Wege zu gehen von denen wir vorher vielleicht nicht einmal wussten das es sie gibt.



« Letzte Änderung: Februar 26, 2019, 06:41:58 Nachmittag von Boduos »

 

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